Er war nicht da. Wollte nicht oder hat es verpasst, hatte zu tun, wollte ausschlafen oder einfach mal seine Ruhe. Und blieb fern. Aber dann geschah das Unerwartete: alle kamen zu ihm und sagten: Mensch, du hast was verpasst! Es war so besonders und so schön! Und Jesus war gegenwärtig! - Wow. Der Traum eines Pastors, eine Pastorin. Dass wir das manchmal sonntags erleben. Dass so davon erzählt wird denen, die es verpasst haben: Mensch, der Gottesdienst: das ging mir nahe. Das war schön. Und vor allem: ER war dabei! ER – Jesus! Das ist das Wichtigste! – Thomas, einer der Jünger Jesu, war am Ostersonntag nicht bei den anderen, als Jesus ihnen erschien. Warum auch immer. Aber er bekam davon erzählt. Aber das reicht ja nicht, wenn andere mir erzählen vom Gottesdienst und wie das war. Ich muss es schon selber erleben. So geht es Thomas. Auch dass Jesus wirklich erschienen ist, das kann er nicht glauben. Ich will ihn, ich muss ihn selber sehen. Und sogar mehr noch: ihn befühlen, seine Wunden berühren um sicher zu sein: es ist kein Gespenst. Er ist es. Er lebt wirklich. Er ist noch immer bei uns! So denkt, so spricht Thomas! - Und Jesus erfüllt ihm den Wunsch. Einen Sonntag später. Wieder sind alle zusammen. Dieses Mal ist auch Thomas dabei. Und Jesus kommt zu ihm. Extra für Thomas kommt er. Und er, der sich am Ostermorgen noch nicht berühren ließ, erlaubt Thomas sogar seine Wunden zu befühlen. Damit Thomas glauben kann! – Aber Thomas braucht das jetzt gar nicht mehr. Er fällt auf die Kniee. Und er sagt: „Mein Herr und mein Gott!“ Das hat noch nie jemand zuvor zu Jesus gesagt. Nicht so explizit. Thomas merkt es womöglich als allererster: dass Jesus nicht einfach Messias oder Gottes Sohn, sondern dass er letztlich Gott selber in Person ist. „Mein Herr und mein Gott!“ – Und Jesus sagt noch: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Ist das ein Tadel an Thomas? Ich denke vielmehr eine Einladung an uns: wie Thomas Jesus als unseren Herrn zu entdecken und zu finden und zu bekennen, auch wenn wir nicht einfach Jesus anfassen, berühren, leibhaftig zu Gesicht bekommen. Und doch müssen wir etwas sehen um glauben zu können: Zeichen, Spuren Gottes, Spuren seiner Liebe in dieser Welt. Wir müssen etwas spüren von Vergebung, Hoffnung, Beistand, Nähe. Glauben nur auf Hörensagen hin. Nur auf das hin, was andere erlebt haben: das geht nicht. Das erwartet auch Jesus nicht. Er ist ja noch immer am Wirken mitten unter uns. Wir müssen nur hinschauen. Und erst recht will Jesus durch uns wirken, dass andere spüren: ER ist ja wirklich da und hat mich nicht vergessen! – Seid gespannt und bereit auf eure Begegnungen mit Jesus! Er ließ Thomas nicht links liegen – und er lässt auch uns nicht links liegen!

Bleibt behütet!

 

Foto: Die Osterkerze in der diesjährigen Osternacht in Neugalmsbüll letzten Sonntag