Mal ehrlich – sieben Wochen ohne Lügen!

Das klingt auf den ersten Blick nach nichts Besonderem. Eigentlich sollte man das doch immer – die Wahrheit sagen. Das steht sogar in den 10 Geboten, auch wenn es da vor allem um Aussagen vor Gericht geht: „Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen, was deinen Nächsten zu Unrecht beschuldigt!“ – „Sieben Wochen ohne Lügen“ ist für dieses Jahr das Motto, das sich die Evangelische Kirche in Deutschland für die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag gegeben hat. Das, was so einfach klingt, kann sich im Alltag als schwierig erweisen. Denn es gibt sie ja reichlich: diese kleinen Lügen. „Das Kleid steht dir ja super“, sagen wir aus Höflichkeit, auch wenn wir ganz anders denken. „Es hat super geschmeckt“, sagen wir bei Tisch dort, wo wir eingeladen sind, selbst wenn es uns überhaupt nicht gemundet hat. „Wie geht’s?“, frage ich und bin so in Eile, dass ich gar kein Interesse an einer ehrlichen Antwort meines Gegenübers habe. Und dann diese kleinen Übertreibungen, mit denen ich mich aufblase.


Wir Pastoren erwecken im Kollegenkreis gerne mal den Anschein, als gelänge uns alles: Predigten, Konfirmandenunterricht, Seelsorge. Bloß keine Blöße geben! Dabei kann es so wohltuend sein zugeben zu können: Dies oder jenes gelingt mir gar nicht gut, hast du Tipps für mich? Und wenn wir im Glauben mal mit Zweifeln ringen – dann dürfen wir auch darüber reden, denkt doch nur an den zweifelnden Jünger Thomas in der Bibel! – Noch etwas fällt mir ein: Wie so sage ich„ Ja“ und meine eigentlich „Nein“ – oder umgekehrt. Dann lass ich mich zu etwas drängen, was ich eigentlich gar nicht möchte. In all dem könnte die Chance der Aktion liegen: „Sieben Wochen ohne Lügen“. Nicht, nun alle Höflichkeit beiseitelassen und einander Wahrheiten schonungslos um die Ohren hauen. Sondern mit unseren Worten achtsamer umgehen. Vielleicht tut es mir gut, wenn mir jemand sagt: „Die Jacke, diese Farbe steht dir gar nicht“. Und ich kann auf die Frage: „Wie geht es dir“ auch mal antworten: „Nicht so gut“ – das kann der Beginn sein für ein gutes Gespräch. Und wenn das Essen nicht schmeckt, kann man das sagen. Ich muss an einen früheren Nachbarn denken. Jahrelang habe ich ihm zum Geburtstag eine Flasche Wein geschenkt, bis ich irgendwann mal erfuhr, dass er gar keinen Wein trinkt! Darüber dürfen wir uns doch gegenseitig aufklären! Und den Menschen, die ich liebe, darf ich das auch öfter mal sagen und muss nicht meinen: Die wissen das eh schon!

Sieben Wochen ehrlich sein:

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Das könnte ein Projekt fürs ganze Leben werden. Kaum etwas ist verletzender als von einem Menschen, dem wir vertrauen, belogen zu werden – und wenn es diese kleinen Lügen des Alltags sind. Wenn man unseren Worten nicht mehr uneingeschränkt trauen kann: dann verlieren die schönsten Geständnisse ihre Strahlkraft, und das wäre wirklich schade! –

Übrigens: Gott steht in absoluter Treue zu dem, was er sagt. Wenn er sagt: Dir ist vergeben – dann können wir uns darauf verlassen. Wenn er uns zusagt: Ich bin bei euch alle Tage – dann ist das so! Wenn er uns die Worte hören lässt: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein“ – dann hat er mit uns einen Plan, und wir dürfen gespannt sein. Und wenn er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ – dann dürfen wir hoffen für die, die uns fehlen. Im 36. Psalm heißt es: Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. (Psalm 36,6). In Güte hält Gott an dir, an mir fest! Das ist gewiss und wahr!
 Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen

Ihr Pastor Gerald Rohrmann