Südwesthörn

 

Es fühlte sich gerade so ein bisschen wie Sommer 2019 an, als wir alle Corona noch nicht wirklich kannten und unser Tauffest in Südwesthörn eng zusammengedrängt feierten. Das waren Errungenschaften der letzten Wochen: In der Fußgängerzone in Niebüll keine Maskenpflicht mehr. Die ersten Tauftermine wurden nach längerer Pause nachgefragt, mit originellen und liebevollen Ideen der Familien über die Ausgestaltung: Taufe am Forellensee, in Südwesthörn, auf dem Rondell des Galmsbüller Friedhofs oder in einer unserer schönen Kirchen. Die erste Einladung zu einem Hochzeitsjubiläum in eine Gaststätte gab es wieder! Und zu Ferienbeginn marschierten 140 Kinder mit ihren Betreuenden und Helga Christiansen als Organisatorin im Rahmen der Ferienspiele die Dorfstraße in der Abendstimmung entlang: Zeltlager mit Übernachten war angesagt! Und die Zeitungen meldeten für Nordfriesland eine Inzidenz von sage und schreibe: 0! – Vieles fühlte sich wieder an wie in der Zeit vor Corona, und es fühlte sich richtig gut an! Doch in den nächsten Tagen kamen dann vermehrt die Warnungen: die neue Delta-Variante des Virus greift um sich! Corona ist noch lange nicht vorbei. Im Herbst ist womöglich wieder mit Schulschließungen zu rechnen. Und so wie vorher wird es nicht einfach wieder werden! – Nichts wird so wie vorher! Menschen fehlen uns, die durch dieses Virus zu früh aus diesem Leben abgerufen wurden. Niemand kann sie uns ersetzen! – Nichts wird so wie vorher. Schuldgefühle bleiben, weil wir Menschen, die wir liebten, nicht so besuchen konnten, wie wir das uns das immer so fest vorgenommen hatten. – Nichts wird mehr so wie vorher. Kinder, Jugendliche, auch Erwachsene tragen Traumata mit sich. Die soziale Distanz hat etwas mit uns gemacht. Manche Feier kann nicht später einfach nachgeholt werden. Manche Träume sind zerplatzt.

Und doch geht die Sonne jeden Morgen neu auf – als wollte sie uns erinnern: das Leben muss weitergehen! Und mancher Anflug von Normalität – wie für mich jetzt wieder eine Tauffeier – sind ein Gottesgeschenk: sie tun der Seele gut und animieren wieder zu planen: ein Chorkonzert vielleicht, einen Gemeindeabend, wieder mehr Begegnungen, wieder einander zulächeln, ohne das Lächeln hinter Masken verbergen zu müssen. Die Sonne scheint und lächelt dazu – so sieht mein Sommermärchen 2021 aus. „Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht.“ Dieser Satz steht in der Bibel, im Buch der Richter (Kapitel 5 Vers 31). Wer verliebt ist, der strahlt einfach. Das kennt ihr! Und wer Gott liebt, strahlt hammermäßig! Weil er und sie um diesen Gott wissen, der uns liebt, wie wir sind. Gott lässt uns in schweren Zeiten nicht allein. Gott spürt unsere Wunden und Narben und tut nicht so, als wäre das alles nicht mehr von Bedeutung. Aber er sagt uns zugleich: „Es soll nicht so bleiben. Auf dich wartet eine Zukunft. Und ich, dein Gott, der dich liebt, bin bei dir. Und ich brauche dich: dass du Sonne und Wärme, Hoffnung und Licht, meine Liebe zu den Menschen trägst, die momentan glauben, die Sonne würde für sie nie mehr scheinen! Leuchte für sie! Und ich leuchte dir und bringe dich zum Strahlen!“ – Lasst uns jeden Morgen, wenn es wieder hell wird, daran denken: Gott will in unseren Herzen wohnen – und wir dürfen strahlen und damit anderen einen Lichtschein bringen! Die Welt braucht so viel Licht! Und die Welt – ist gleich nebenan und wartet auf dich und auf mich! – Seid behütet und leuchtet, weil Gott die Sonne eures Herzens ist!

Euer Pastor Gerald Rohrmann